Gestern wurde es wieder sehr spät, viel zu spät um wirklich irgendwann wieder richtig einzuschlafen. Als ich dann doch irgendwann gegen 3.00 Uhr heute Morgen ein Auge zu bekommen habe, gingen mir wie jede Nacht merkwürdige Dinge durch den Kopf. Ich träumte von einem großen Fisch, der mir 3 Wünsche in Erfüllung gehen lässt. Natürlich wünschte ich mir Reichtum, Gesundheit und ein riesiges Schloss. Jedoch dauerte es nicht lange bis mich Langeweile ergriff und ich das weite suchte. Mit dem Geld was ich nun hatte, konnte ich in Spielcasinos sitzen und nachts immer heiße Bräute haben. Ein Super Leben, was mir Spaß macht – leider ist der Traum dann immer wieder schnell zu Ende.

Ich wache dann meistens Schweißgebadet auf und habe Kopfschmerzen. Ich laufe zur morgendlichen Toilette und nehme erstmal schön meine 2 Aspirin Tabletten wie jeden Tag. Danach Zähneputzen und mal kurz in die Brieftasche geschaut, leider gähnende Leere ! Wo bekomme ich nun Geld zum Spielen her? Kumpels brauche ich schon lange nicht mehr anpumpen, die wissen, dass ich die Kohle sofort in die Spielautomaten stecke. Ich versuche trotzdem mein Glück und bimmele den ganzen Bekanntenkreis durch. Natürlich hat wie erwartet keiner ein paar Euro für mich.

Ich fahre also schnell mal bei Oma vorbei und erzähle Ihr, dass ich bald einen neuen Job bekomme und ich für die Bewerbungsunterlagen etwas Geld benötige, sie steckt mir 50,00 Euro zu. Anschließend geht’s mit dem Frischgeld sofort in die erste Spielothek um die Ecke, wo es schon morgens 11.00 Uhr ziemlich voll zugeht. Es spielen die üblichen bekannten Gesichter an den Geräten. Kaum bekommt man Platz an den Videospielautomaten. Ich versuche mein Glück an einem alten Admiral Automat und gewinne gleich mal zu Anfang 30.00 Euro. Nicht schlecht, da habe ich wenigsten etwas Startgeld für den langen „Arbeitstag“. Richtige Arbeit ist für mich seit längeren ein Fremdwort, lustiger weise gibt’s die Antwort auf die Frage: Was ist Arbeit? – Ist das was zu essen ? Meine Arbeit ist hier an den Spielautomaten, ich lebe ohne dabei zu sterben, na ja fast…

Es geht auf Mittag zu und ich habe bereits meinen dritten Kaffee in mich rein geschlürft, interessanter weise verspüre ich keinen Hunger, überhaupt es ich nur selten etwas. Die dunkle Koffeinbrühe gibt es in den dunklen Zockerbuden gratis, nur die Zigaretten muss ich bezahlen. Natürlich sind die 50,00 Euro der Oma lange schon in den einarmigen Banditen verschwunden, inklusive des tollen 30,00 Euro-Startgewinn. Um einen ruhigen Eindruck zu machen, setze ich mich in der Spielothek an die Bar und trinke mit der blonden vollbusigen Dame einen guten heißen Kaffee. Wir plaudern ein wenig über verschiedene Sachen, bis ich sie nach etwas Geld anpumpe und Ihr hoch und heilig verspreche, dass sie die Kohle bis zum Ende der Schicht zurückbekomme. Sie gibt nach und ich erhalte 20,00 Euro von Ihr. Das Geld verschwindet in einem Schacht des Novoline und nach 20 Minuten verschwinde ich auch erstmal aus er Spielothek, natürlich ohne einen Knopf in der Tasche.

Ich verabschiede mich von der netten Bardame und verspreche, dass ich dann gleich wieder kommen würde um Ihr das Geld zu bringen. In Wirklichkeit habe ich keine Ahnung, wo ich das Geld herbekommen soll?

Ich mache mich also auf den Weg in die nächste Spielothek, wo ich tatsächlich einen alten Freund treffe, der mir noch Geld schuldet. Ich bekomme 50,00 Euro von Ihm, da er gerade dabei ist, einen Automaten auszuräumen. Nach einem Kaffee und etwas Smalltalk verlasse ich diesen Laden und gehe zurück zur ersten Spielothek, wo ich freudig die geborgten 20,00 Euro an der Theke lasse und mich mit 30,00 Euro an die nächste Zockerkiste setze.

Ich gewinne tatsächlich bei meinem Lieblingsspiel American Poker 2 rund 200,00 Euro nachdem ich voll auf Schwarz bis oben hochgedrückt habe. Schnell kommen andere Spieler an, die sich nun ein paar Beträge von mir ausleihen. Ich gebe 50,00 Euro raus, denn man weiß ja nie ob man diese Leute nicht auch mal irgendwann benötigt. Ich setze mich wieder vorne an die Theke und bestelle für mich und die Blondine eine Pizza, natürlich auf meine Kosten. Dazu trinkt man gepflegt einen Capuccino zusammen. Ich habe in diesem Moment eine Art Glücksgefühl, da ich nun noch Spielgeld in der Tasche habe und gegen 15.00 Uhr auch mal was Essbares in meinen Magen geschoben habe. Der Tag ist noch lang und jetzt kann es endlich so richtig losgehen. Ich verabschiede mich aus der Spielothek und fahre mit dem Auto in die Nachbarstadt um dort mein Glück zu versuchen.

Als ich dort angekommen bin, muss ich feststellen dass es hier schon richtig voll ist, kaum bekommt man einen Platz an den Daddeldingern. Ich setze mich deshalb zunächst an die Theke um einen Kaffee zu trinken. Ich beobachte die Spielautomaten und bekomme erste Meldungen wo heute schon was ging und welcher Automat bisher nur genommen hat. Endlich wird ein Novoline 2 frei, an dem heute bisher gesteckt wurde. Ich fange sofort an aufzuladen. Irgendwie war es mir gerade komisch, ich zittere etwas, das muss wohl am Kaffee liegen. Etwas schwindelig ist mir auch aber es geht wieder vorbei. Ich habe öfters solche Attacken…

In den nächsten 2 Stunden verspiele ich das ganze Geld, der Automat war wie zugenagelt und hat mir kaum eine Chance gelassen. Jetzt habe ich natürlich eine Stinklaune aber möchte es niemanden zeigen. Ich versuche gute Laune zu spielen und verlasse die Spielothek. Ich mache mir nun große Vorwürfe und gehe erstmal wutentbrannt nach Hause und lege mich auf mein Sofa und schaue eine Weile Fernsehen. Doch schon nach kurzer Zeit muss ich immer wieder an mein verlorenes Geld denken und mir kommt hier zu Hause alles so sinnlos vor. Ich glaube mein ganzer Lebensinhalt dreht sich nur um Spielautomaten, alles andere kommt mir dabei so sinnlos vor!

Ich mache mich abends also wieder auf den Weg und gehe nun leider Geld meine Runde durch die Casinos und versuche trotzdem irgendwie an Geld zum Spielen zu kommen. So sitze ich also sinnlos in einer Spielothek rum und schaue anderen über die Schultern, wie diese Leute an den Spielautomaten spielen. Wieder merke ich das Zittern meiner Hände und ein Gefühl von Schwäche als ich meinen viel zu starken Kaffee in mich reinschütte. Oder sind es tatsächlich Anzeichen meiner Sucht? Bin ich überhaupt süchtig, ich glaube schon aber so richtig will es nicht in meinen Kopf rein.

In der Spielothek nerve ich einen Spieler so lange, bis er mir 10,00 pumpt. Ich kann endlich wieder spielen aber was sind schon 10,- Euro. Ich spiele nur für 5 Cent den Dreh um möglich lange zu spielen können. Natürlich wird das nichts und auch diese 10,00 Euro gehen den Bach runter. Es ist nun 22.00 Uhr und in den Spielotheken herrscht der absolute Ausnahmezustand. Der Zigaretten Qualm bringt die Augen zum Tränen. Es gehen nun wieder tausende von Euro wie jeden Abend in die Spielautomaten rein. Der Staat verdient kräftig an der Spielsucht und versucht scheinheilig durch seine regierenden Politiker davon abzulenken.

Ich gehe nach Hause und überlege mir schon wieder, wie ich morgen an Geld für die Spielautomaten komme. Vielleicht raube ich mal eine Bank aus oder ich muss sehen wo ich sonst die Kohle herbekomme. Bis zum nächsten Geldtag der ARGE sind es noch 12 Tage und ich bin eigentlich schon seit dem letzten Zahltag Pleite. In der Nacht habe ich wieder einen Traum, aber den kennt Ihr ja bereits schon…

Der Artikel ist vom 08/14/2009