Archiv der Kategorie: Spielerschutz

Gesichtskontrolle in Spielhallen – Face Check

Fotoabgleich direkt nach Eintritt in die Spielothek

Datenschützern wird diese Meldung wohl die Haare zu Berge stehen lassen. Und gerade in Zeiten, wo wirklich alles irgendwie gehackt wird, machen solche Meldungen wirklich Angst. Mit einem so genanntem Facecheck sollen spiel-süchtige und zu junge Spieler unter 18 Jahren gefiltert werden.

(…) Beim Jugend- und Spielerschutz wollen deutsche Spielhallen zunehmend auf elektronische Gesichtskontrollen am Eingang setzen. Beim „Face-Check“ sollen zu junge Spieler und gesperrte Spielsüchtige erkannt und dem Personal gemeldet werden, hieß es beim Start eines Pilotprojekts in einer Spielothek in Stuttgart. Die Daten würden nach 30 Sekunden gelöscht, versicherten die Entwickler (…)

Face detection

Gut bei manchen Leute wäre es sicherlich von Vorteil, wenn sie schon zu Hause die Türe öffnen,  sofort einen automatischen Riegel vorzuschieben. Doch um diese Leute soll es ja überhaupt nicht gehen. Vielmehr um die Spielsüchtigen gleich am Eingang zur Spielhalle herauszufinden – immerhin 600.000 sollen es ja schon nach letzten Schätzungen in Deutschland mittlerweile sein.

Fazit: Eine wirklich tolle Idee, denn sollte es funktionieren, wären wohl die zahlreichen Zockerbuden hierzulande plötzlich wie ausgefegt und der letzte Rest der Kundschaft auch noch ins Internet verschwunden. Und da soll ja bekanntlich vor 2018 erstmal gar nichts mehr in Sachen Regulierung passieren. Zumindest dort gibt es aber echten Spieler, – und Altersschutz in den eu-lizenzierten Online Casinos. Jeder muss mit Pass und Kreditkarte einen Alternachweis erbringen. Und eine Selbstsperrung dauert meist auch nur einen Klick.

Retroartikel: Weniger Gewinne – mehr Spielsucht

16
APR 2013
Weiterer Anstieg bei den Zahlen: Spielautomaten und Spielsucht auf Rekordhöhe

So berichtet AFP ganz aktuell:

In Deutschland waren im vergangenen Jahr rund 265.000 Geldspielautomaten – und damit so viel wie noch nie, aufgestellt. Die Aufsteller erzielten einen Rekord-Umsatz von über 4,4 Milliarden Euro. Ein Jahr zuvor waren es nur 262.000 Automaten, in 2005 noch 183.000. Die ermittelten Daten gehen aus einem Gutachten hervor, das das Münchner ifo-Institut im Auftrag der deutschen Automatenwirtschaft hat.
Nach einer aktuellen Auflistung der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen haben 2011 rund 16.800 Spielsüchtige Hilfe in ambulanten Beratungsstellen gesucht. Der Großteil war von Automatenspielsucht betroffen. Im Vergleich zum Jahr 2005 haben sich diese Zahlen verdreifacht.
Eigentlich sollten die politischen Maßnahmen (TR 4.1) seit Januar 2011 zu einer Eindämmung der Zahlen bei Neuaufstellungen von Spielautomaten sowie Spielsucht führen. Erreicht hat man aber mit dieser Fail-Aktion leider nur eins, nicht nur die Umsätze sondern auch die Gewinne der Betreiber sind auf Rekordniveau im vergangenen Jahr gestiegen – ergo daraus resultierend auch höhere Steuereinnahmen für den Fiskus. Der aufmerksame Beobachter wird dabei sehr schnell eine geplante Vorsätzlichkeit in Zusammenarbeit von Wirtschaft und Politik erkennen! Diese Scheinheiligkeit stinkt noch schlimmer als ein Fass fauler Fische!

Bezahlt haben die Zeche natürlich wieder einmal mehr die Spieler, denn mit der Einführung des Gewinn von maximal 1000 Euro bei gleichbleibenden Maximaleinsatz ist das geschäftliche Risiko für Betreiber deutlich reduziert wurden. Der Anreiz für neue Spielhallen und mehr Automaten wurde mit dieser Regelung natürlich angehoben und nicht reduziert. Aber auch die Auszahlungsbeschränkung von maximal 500 Euro pro Stunde ist mehr als fraglich. Und was soll eigentlich in puncto Spielsuchtbekämpfung erreicht werden, wenn ein spielsüchtiger Zocker weitere zwei Stunden bei der Auszahlung in der Spielhalle gehalten werden soll – richtig geraten?!

Retroartikel: Spielsucht bei Kindern und Jugendlichen

Laut Landesgesundheitsamt in Baden-Würtenberg gibt es dort offiziell 34 100 Spielsüchtige. Davon sind immer mehr Jugendliche und junge Menschen betroffen, warnen die Experten. Die Zahl der regelmäßigen Spieler zwischen 12 und 17 Jahren liege bei 40 Prozent.
Die angedachten Schutzmaßnahmen seitens der Politik seien bei weitem noch nicht ausreichend, so berichtet das Tagblatt. Die Rangliste der Glücksspiele führt aber immer noch der Geldspielautomat in Gaststätten und Bistros an. Auf den weiteren Plätzen folgen die Spielhallen und Online-Kasinos. Betroffen seien vor allem junge Männer und insbesondere Jugendliche mit Migrationshintergrund sowie sozial Schwächere.
Keine Ahnung, wie diese Zahlen zustande gekommen sind und wie das Landesgesundheitsamt in Stuttgart das überhaupt errechnen konnte? Ich finde die Zahl erschreckend hoch. Offiziell ist das Spielen am Geldspielgerät nämlich erst ab 18 Jahren erlaubt! Jedoch in Kneipen und Bistros sowie an Autobahn-Tankstellen ist es natürlich wirklich kein Problem für Kinder und Jugendlichen in Kontakt mit Spielautomaten zu kommen. Und nicht jeder Wirt schaut da schon genau hin, wenn er damit zusätzliches Geld verdienen kann.

In den Spielhallen jedoch gehe ich davon aus, dass dort intensiver kontrolliert wird und kaum Minderjährige die Möglichkeit haben um Geld an den Automaten zu spielen. Zumindest habe ich als gelegentlicher Besucher noch nie einen Zwölfjährigen in einer Spielothek spielen sehen. Die Strafen bis hin zum Konzessionsentzug wird wohl kein Aufsteller riskieren wollen. Von daher verstehe ich nicht, wie Spielhallen auf Platz 2 hinter Bistros und Kneipen geführt werden? Sicherlich gibt es Ausnahmen und gelegentliche Fälle von Mißachtung der Jugendschutzgesetze in Spielsaloons, aber das ist die Ausnahme.

Auch im Internet ist es kein Problem, dass diese Altersgruppe in Kontakt mit Online-Slots kommt – das stimmt. Jedoch geht es dort nur im kostenlosen Spielbetrieb, also ohne jegliche Geldgewinne. Um in den Online-Kasinos im Echtgeldmodus spielen zu können, muss zunächst der Altersnachweis mittels Kopie des Personalausweises sowie einer aktuellen Rechnung erbracht werden. Hier bestehen also kaum Möglichkeiten für Kinder und Jugendliche, diese Sperre zu umgehen. Meiner Meinung nach ist der Jugendschutz im Internet am besten gegeben.

Jugendschutz in Online Casinos

Online Casino Portale sind ab 18 Jahre

Und sie bedürfen daher einem besonderen Schutz für Kinder und Jugendliche. Das ist auch gut so, denn wer will schon, dass Minderjährige schon recht zeitig mit dem Glücksspiel konfrontiert wird.

So muss in Online Casinos vor dem Echtgeldspiel zunächst ein Alternsnachweis in Form einer Kopie des Pass oder Personalausweis digital beim Glücksspielanbieter vorgelegt werden. Zudem wird vom Spieler ein weiteres aktuelles Dokument, wie zum Beispiel eine Telefonrechnung, vor der ersten Auszahlung verlangt. Neben dem Spielerschutz wird so auch der Geldwäsche in Online Casinos entgegen gewirkt. Nach unserer Meinung ist dieser Schutz sehr wirkungsvoll und hält Kinder und Jugendliche vom unerlaubten Spiel ab.

Schlechter sieht es da bei Automaten in Kneipen, Tankstellen oder Cafes aus. Nicht nur, dass Minderjährige unbehindert Zugang erhalten, an solchen Geräten in dunklen Ecken kann auch von Minderjährigen an Spielautomaten gespielt werden. Aber auch Lotto oder Toto in den Annahmestellen in Supermärkten oder großen Einkaufspassagen bringen für die junge Generation bereits den ersten Kontakt mit dem Glücksspiel.

Spielsucht

Thema Spielsucht  – Fiskus verdient kräftig mit

(…) Verantwortlich sind zu einem großen Teil die 269.000 gewerblichen Geldspielautomaten in Spielhallen, Gaststätten und Imbissbetrieben (2.000 Geräte mehr als 2013), die 2014 allein 20,5 Mrd. Euro Umsatz erzielten und damit für ein Plus von 3,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr sorgten. Die Geräte sind der mit Abstand größte Umsatzträger legaler Spielangebote in Deutschland. Ihr Anteil am Gesamtumsatz betrug 59,2%. Den Aufstellern der Geldspielgeräte verblieb im Jahr 2014 ein Bruttospielertrag (Spieleinsätze abzüglich Gewinnauszahlungen, ohne Kostenanrechnung) von 4,7 Mrd. Euro, das sind 3,3% mehr als im Vorjahr (…) [psychologie-aktuell.de]

…und während man sich in vielen Bundesländern noch nicht mal für Spielotheken und Spielhallen sperren lassen kann, ist dies im Internet schon mit nur wenigen Klicks möglich. In puncto Jugendschutz, Alterschutz und Spielerschutz haben die privaten Online Casino Anbieter im Internet also deutlich die Nase vorn.