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Fake News in Sachen Glücksspiel?

Falschmeldungen oder Unwissen bei der Glücksspielbehörde?


Die rechtliche Sachlage in Deutschland bei Glücksspiel ist leider nur in einer einzigen Angelegenheit eindeutig. Es gibt nämlich immer noch keine echte wirksame Regulierung durch unsere Politik nach geltenden EU-Recht. Noch schlimmer – sogar staatliche Behörden verbreiten dazu Falschmeldungen auf ihren Homepages. Hier eine aktuelle Meldung der LDS vom 23.02.2017, welche offensichtlich gleich zwei mal falsch argumentiert bzw. informiert. 

(…) Die Veranstaltung von Casinospielen im Internet (sog. Online-Casinospiele) ist verboten (§ 4 Abs. 5 GlüStV) und kann von der LDS untersagt werden. Ebenfalls verboten ist die Werbung für Online-Casinospiele – sowohl im Internet, als auch offline (§§ 5 Abs. 3 Satz 1, Abs. 5 GlüStV).

Falsch! Denn ganz aktuell berichtete die „Süddeutsche“ in diesem Zusammenhang – 

In Bezug auf die Sportwetten schreibt die Kommission in dem Brief von „eventuellen Widersprüchen“, mit Blick auf illegale Online-Kasinos gar von „keiner tragfähigen Lösung“. Damit erneuern die Beamten ihre Kritik an den deutschen Glücksspielregeln. Weil diese aus Brüsseler Sicht gegen Europäisches Recht verstoßen, hat sie ein Vertragsverletzungsverfahren gegen die Bundesrepublik vorbereitet. (spielotheka.de)

und weiter auf der Webseite der Landesdirektion Sachsen:

Trotz des eindeutigen glücksspielrechtlichen Verbots werden auf dem deutschen Glücksspielmarkt unzählige Online-Casinospiele angeboten, die gegen das Internetverbot verstoßen. Sowohl das Anbieten der Spiele, als auch die Spielteilnahme sind strafbar  (§§ 284, 285 StGB) (…)  [lds.de]

Falsch! Man bezieht sich am Ende dieser Aussage auf ein Urteil von 2015, welches längst in höherer Instanz wieder gekippt wurde – 

Die Verteidiger Peter Weitzdörfer der Kanzlei Weitzdörfer & Wittl sowie Claus Hambach, LL.M., der Kanzlei Hambach & Hambach Rechtsanwälte erreichten, dass das Urteil des AG München mit Entscheidung vom 28. Juli 2016 von dem LG München in der Berufungsinstanz aufgehoben und das Verfahren wegen fehlender Anwendbarkeit deutschen Strafrechts eingestellt wurde. Von den zahlreichen Argumenten, welche gegen die Verurteilung durch das AG München sprachen (vgl. hierzu die Urteilsanmerkung von Claus Hambach, LL.M. und Dr. Bernd Berberich in ZfWG 2015, 150 ff.) griff somit bereits das Erste durch. Aber auch nach Maßgabe der aktuell chaotischen Regulierungssituation im Glücksspielbereich hätte das Urteil des AG München, insbesondere unter Berücksichtigung der Rechtsprechung des EuGH in der Rechtssache Ince (Urteil vom 4. Februar 2016 – C-336/14 mit Anmerkung von Prof. Hans Kudlich und Dr. Bernd Berberich in ZfWG 2016, 126 ff.) keinen Bestand haben dürfen. (spielautomatenforum.de)

(Screenshot vom 23.03.2017)

Und deshalb an dieser Stelle nochmals – der EuGH stellte im Februar 2016 eindeutig fest – der deutsche Glücksspielstaatsvertrag ist rechtswidrig. Punkt!

EuGH: Regelung für Online Casinos nicht tragfähig

Na wer hätte da etwas anderes erwartet? Die EU-Kommission bezeichnet die geplante Reform für Online-Kasinos als nicht tragfähig, so berichtet die Süddeutsche. Online Casinos gelten bei staatlichen Behörden trotz geltender EU-Lizenz immer noch als rotes Tuch – zu Unrecht!

(…) Denn auch die geplante Reform der Regulierung fällt bei der EU-Kommission durch. Im Oktober hatten die Bundesländer eine Neufassung des Glücksspielstaatsvertrags beschlossen und der Brüsseler Behörde zur Prüfung vorgelegt. Sie soll ab 2018 gelten. In einem vertraulichen Antwortschreiben lässt die Kommission keinen Zweifel daran, dass sie die Gesetzesnovelle für unzureichend hält. In Bezug auf die Sportwetten schreibt die Kommission in dem Brief von „eventuellen Widersprüchen“, mit Blick auf illegale Online-Kasinos gar von „keiner tragfähigen Lösung“. Damit erneuern die Beamten ihre Kritik an den deutschen Glücksspielregeln. Weil diese aus Brüsseler Sicht gegen Europäisches Recht verstoßen, hat sie ein Vertragsverletzungsverfahren gegen die Bundesrepublik vorbereitet. Bislang ist allerdings offen, ob und wann es eröffnet wird (…) [süddeutsche.de]

So werben Online Casinos im Internet für ihr Angebot:

Aber im Prinzip ist das auch alles nichts Neues aus Brüssel. Denn der deutsche Glücksspielstaatsvertrag wurde ja Anfang 2016 vom obersten europäischen Gericht bereits als rechtswidrig eingestuft und somit ausreichend gerügt. Hat also hierzulande auch keine gesetzliche Wirkung mehr – auch in Sachen Online Casinos!

Reine Online Casinos gibt es ohnehin kaum noch. Alle so genannten Sportwettenanbieter verdienen ihr Geld auch schon jetzt mit Online Casinos, Live Casino oder Poker. Und an das Märchen vom guten staatlichem und schlechten privatem Glücksspiel glaubt hierzulande schon lange keine mehr. Während es zum Beispiel in Spielhallen im Jahre 2017 immer noch keine Selbstsperre als Suchtschutz gibt, kann man dies online mit wenigen Klicks erledigen.

Glücksspielstaatsvertrag, Spielhallengesetz am Ende?

Glücksspielstaatsvertrag, Spielhallengesetz ohne gesetzliche Rückendeckung?

Was bereits im so genannten Glücksspielstaatsvertrag, Spielhallengesetz an allen Ecken und Enden sehr deutlich wird, bekommt nun auch der neutrale Beobachter deutlich zu spüren. Beide politischen Einschränkungen sind alles andere als durchdacht sowie ausgereift. Was der EuGH im letzten Jahr in puncto deutschem Glücksspielstaatsvertrag  bemängelte, kann nun auch auf das neuerliche Spielhallengesetz ausgeweitet werden – ein absoluter Offenbarungseid  in Sachen deutscher Politik.

„Langsam aber sicher spricht sich herum, dass die Länder ihre Spielhallen- und Ausführungsgesetze auf dem finanziellen Rücken der Städte und Gemeinden austragen. Neben Prozesskosten müssen die Kommunen möglicherweise auch Schadenersatz bezahlen, wenn sie Spielhallen schließen und die zu erwartenden Prozesse gegen deren Betreiber verlieren. Bis zur Schließung einer ersten Spielhalle werde es eine Weile dauern, zitiert die Zeitung den städtischen Juristen Albrecht Stadler. „Wir ordnen bis zum letztinstanzlichen Urteil keinen Vollzug an.“ [automatenmarkt.de]

Was sollte eigentlich das neue Spielhallengesetz bewirken, welche Ideen wurden durch die Politik eingebracht? (Glücksspielstaatsvertrag, Spielhallengesetz)

Die wichtigste Änderung war wohl der Abstand der Spielhallen untereinander. Nun sollen es 500 Meter bis zur nächsten Spielothek, bis zur nächsten Schule 200 Meter, sein. Doch da stellt sich die Frage, wer von den betroffenen Spielhallen zieht am Ende den Kürzeren? Das soll dann ein Los entscheiden! Bitte was? Getreu dem Motto, wenn schon Glücksspiel, dann aber richtig. Da kann man echt gespannt sein, was die deutsche Gerichte dazu sagen. Kein Wunder, dass man nun in einigen Städten sprichwörtlich den Schwanz einzieht.

Berlin Casino Katzbachstrasse 19.01.2015 10-51-03

Zum Glück hat man sich in unserer Politik noch nicht auf den virtuellen Abstand zwischen zwei Online Casinos im Internet geeinigt. Denn das könnte dann vor Justitia noch problematischer werden, als es ohnehin schon ist. Rechtsanwälte zumindest reiben sich schon heute kräftig die Hände. Und Leidtragender könnte am Ende ohnehin wieder nur der Steuerzahler sein. Von daher lieber alles schön weiter im Kreis drehen lassen – oder besser gesagt „ausmerkeln“ …

Glücksspiel Gewinn nicht ausgezahlt – Video

Was tun wenn der Anbieter den Gewinn nicht auszahlt?

Ein junger Rechtsanwalt versucht sich zum schwierigem Thema auf YouTube…

Kommentar unter dem Video:

(…) Der Staat hat in Deutschland ein Monopol auf Glücksspiele und Wetten. Hierzulande werden Lizenzen beschränkt vergeben, im Ausland ist das aber alles kein Thema. Das EuGH hat hierzu bereits Stellung bezogen und wirft Deutschland ein nicht EU-konformes Handeln vor, da im EU-Ausland bspw. keine eingeschränkte Lizenz zur Vergabe von Glücksspielen und Wetten besteht. — Wetten, u.a. Sportwetten o.ä. sowie das Glücksspiel illegal, es sei denn, es besteht für den jeweiligen Anbieter eine Lizenz!

Internetwetten und Glücksspiele sind im Internet allerdings etwas heikler zu betrachten: Meist sitzen Anbieter von Online-Glücksspielen gar nicht in Deutschland, sondern agieren von fern her, und zwar von dort, wo Glücksspiel erlaubt ist! Probleme kann es also dann geben, wenn es tatsächlich zu einer Gewinnausschüttung kommt bzw. nicht kommt. Denn dann werden Klagen angestrebt, die sich aber als äußerst schwierig gestalten. Ohne Lizenz ist eine Klage also nicht gerade von Erfolg gekrönt und selbst der Wetteinsatz ist dann meist verloren (…)

Leider werden uns in dem Video einige Dinge verschwiegen. Welcher Anbieter hat angeblich nicht ausgezahlt und wieso hatte er keine Lizenz? Wenn er in Malta sitzt, muss auch eine europäische Lizenz vorhanden sein! Laut der Dienstleistungsfreiheit spielt es keine Rolle, wo in Europa das Glücksspiel ausgeführt wird. Jeder hat dieses Recht innerhalb der europäischen Union!

Und in Deutschland wurde bisher noch nicht eine Lizenz vergeben, noch nicht mal das staatliche Glücksspielmonopol hat so etwas nach EU-Recht. Der Glücksspielstaatsvertrag in Deutschland wurde zudem im Februar 2016 bereits zum dritten Mal bemängelt und für nichts rechtskräftig erklärt. Es besteht demzufolge eine rechtliche Grauzone. Also unterm Strich viel Müll, was uns da der RA auftischen möchte.

Spielhallengesetz: Spielotheken ziehen vor Gericht

Alleine in Baden-Würtemberg sind 5000 Klagen zu erwarten

Und das kann bekanntlich dauern. Schon jetzt ziehen sich sogenannte Eilanträge über Jahre hinweg. Fällt dann doch irgendwann eine Entscheidung vor dem Verwaltungsgericht, ist die Revision schon vorprogrammiert. Und so könnten sich die laufenden Verfahren bis zu 10 Jahre erstrecken, bis Spielhallen oder Spielotheken tatsächlich schließen müssten – sollte es überhaupt so kommen.

(…) Im Herrenberger Rathaus ist bereits entschieden, wer die Schließungsverfügung zugeschickt bekommt. Der nächste Schritt steht ebenfalls fest. „Alle vier Betreiber haben angekündigt, zu klagen“, sagt Bäuerle. Dass Betroffene sich juristisch wehren werden, gilt auch andernorts als gewiss. Die Hinweise darauf sind eindeutig. Das Gesetz sieht Härtefallregeln vor, etwa wenn ein Betreiber jüngst investiert hat. Das haben offenbar viele. Allein im Stuttgarter Stadtbezirk Mitte sind 55 Spielhallen von der Schließung bedroht. Deren Betreiber haben sich ausnahmslos zum Härtefall erklärt. Der nächste Schritt ist der offizielle Widerspruch. Über den entscheidet das Regierungspräsidium, erfahrungsgemäß bedächtig. Drei Monate Bearbeitungszeit gelten als Rekord, Jahre sind keine Seltenheit. Danach rollt auf die Städte eine Prozesslawine zu. Die Spielhallenbetreiber, sagt Bäuerle, „haben nicht nur Geld, sondern auch gute Anwälte“. Was nicht nur in Herrenberg gilt (…) [stuttgarter-zeitung.de]

Berner Iustitia

Zudem bürgen die Verfahren auch jede Menge Unsicherheit. Sollten nämlich die Betreiber der Spielhallen Recht bekommen, rollen auf die Kommunen Millionenzahlungen wegen Prozesskosten und Schadenersatz zu. Und die Chancen stehen nicht schlecht. Ähnlich wie beim gescheiterten Glücksspielstaatsvertrag steht das Spielhallen-gesetz ebenfalls auf wackligen Beinen. Dem Finanzamt sind die Schließungen ohnehin ein Dorn im Auge. Die daraus resultierenden fehlenden Einnahmen werden aber auch durch Online Casinos nicht kompensiert. Denn die sitzen alle im EU-Ausland, da hierzulande die Politik diesbezüglich ebenfalls versagte. Ergo, die Spieler werden weiter in das Internet abwandern, der Fiskus hat weniger bzw. kaum Einnahmen aus Glücksspiel und die Kommunen bleiben am Ende auf den enormen Kosten sitzen.

Offenbarungseid der Politik in Sachen Glücksspiel

Deutschland bei Glücksspiel außer Kontrolle

Das staatliche Monopol hatte jahrelang versucht, privates Glücksspiel unter dem Vorwand des Spielerschutzes einzuschränken, zu denunzieren oder gar als illegal einzustufen. Der EuGH hatte dem im Februar 2016 bereits zum dritten Mal einen Riegel vorgeschoben. Nun ist man damit offiziell gescheitert, was eine Aussage eines Innenminister als Offenbarungseid erkennen lässt:

Zur heutigen Ankündigung des hessischen Innenministers Peter Beuth, bislang illegale Sportwetten künftig zu dulden, hat der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Landtagsfraktion Günter Rudolph am Samstag Folgendes erklärt:

„Innenminister Beuth kapituliert nach einer Reihe von gerichtlichen Niederlagen vor den Anbietern illegaler Sportwetten. Dass er diese Kapitulation nach jahrelanger Debatte ausgerechnet an einem Samstagvormittag verkündet, ist ein Anzeichen dafür, dass er eine öffentliche Diskussion scheut. Hessen hat die Aufgabe, für alle Bundesländer die Konzessionierung zu übernehmen. Herr Beuth hat sich damit offenkundig übernommen.

MJK00741 Peter Beuth

Beuth will den hessischen Sonderweg weitergehen und scheint keine bundesweite Lösung anzustreben. Das unzureichende Vorgehen Hessens gegen illegale Sportwetten in der Vergangenheit war ein Fehler. Dieser Fehler wird mit der Quasi-Legalisierung bislang illegaler Sportwetten durch Duldungen nicht korrigiert, sondern verschlimmert. Das mit dem Behauptung zu schmücken, die Spieler sollten geschützt werden, ist eine dreiste Täuschung.“ (Quelle)

Fazit: Das unkontrollierte Glücksspiel hat alleine das staatliche Glücksspiel samt seinen Schergen in Politik und den Behörden zu verantworten. Nun sollte schnellstens eine Lösung nach europäischen Recht gefunden werden, um die Spieler tatsächlich vor der Spielsucht im Internet zu schützen. EU-lizenzierte Glücksspielportale müssen hierzulande uneingeschränkt akzeptiert werden, andere Anbieter, uneingeschränkt unterbunden werden.

Retroartikel: Weniger Gewinne – mehr Spielsucht

16
APR 2013
Weiterer Anstieg bei den Zahlen: Spielautomaten und Spielsucht auf Rekordhöhe

So berichtet AFP ganz aktuell:

In Deutschland waren im vergangenen Jahr rund 265.000 Geldspielautomaten – und damit so viel wie noch nie, aufgestellt. Die Aufsteller erzielten einen Rekord-Umsatz von über 4,4 Milliarden Euro. Ein Jahr zuvor waren es nur 262.000 Automaten, in 2005 noch 183.000. Die ermittelten Daten gehen aus einem Gutachten hervor, das das Münchner ifo-Institut im Auftrag der deutschen Automatenwirtschaft hat.
Nach einer aktuellen Auflistung der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen haben 2011 rund 16.800 Spielsüchtige Hilfe in ambulanten Beratungsstellen gesucht. Der Großteil war von Automatenspielsucht betroffen. Im Vergleich zum Jahr 2005 haben sich diese Zahlen verdreifacht.
Eigentlich sollten die politischen Maßnahmen (TR 4.1) seit Januar 2011 zu einer Eindämmung der Zahlen bei Neuaufstellungen von Spielautomaten sowie Spielsucht führen. Erreicht hat man aber mit dieser Fail-Aktion leider nur eins, nicht nur die Umsätze sondern auch die Gewinne der Betreiber sind auf Rekordniveau im vergangenen Jahr gestiegen – ergo daraus resultierend auch höhere Steuereinnahmen für den Fiskus. Der aufmerksame Beobachter wird dabei sehr schnell eine geplante Vorsätzlichkeit in Zusammenarbeit von Wirtschaft und Politik erkennen! Diese Scheinheiligkeit stinkt noch schlimmer als ein Fass fauler Fische!

Bezahlt haben die Zeche natürlich wieder einmal mehr die Spieler, denn mit der Einführung des Gewinn von maximal 1000 Euro bei gleichbleibenden Maximaleinsatz ist das geschäftliche Risiko für Betreiber deutlich reduziert wurden. Der Anreiz für neue Spielhallen und mehr Automaten wurde mit dieser Regelung natürlich angehoben und nicht reduziert. Aber auch die Auszahlungsbeschränkung von maximal 500 Euro pro Stunde ist mehr als fraglich. Und was soll eigentlich in puncto Spielsuchtbekämpfung erreicht werden, wenn ein spielsüchtiger Zocker weitere zwei Stunden bei der Auszahlung in der Spielhalle gehalten werden soll – richtig geraten?!

Online Glücksspiel: Hick Hack – keiner sieht mehr durch

Online Spiel in Deutschland nicht illegal

Auf öffentlichen Webseiten diverser Bundesländer werden diesbezüglich falsche Informationen geliefert. Demnach soll das Spielen in Online Casinos für deutsche Spieler angeblich strafbar sein und bezieht sich damit auf ein unglaubliches Skandalurteil aus München im vergangenem Jahr. So zum Beispiel auf der Homepage des Landes Sachsen – traurig, traurig:

(…) Wer in Deutschland ohne die erforderliche Genehmigung der zuständigen Behörde öffentlich ein Glücksspiel veranstaltet oder dafür wirbt oder sich an einem öffentlichen Glücksspiel beteiligt, dem droht die strafrechtliche Verurteilung nach §§ 284, 285 StGB. Daraus folgt, dass sich Spieler – egal ob im Internet oder terrestrisch – darüber informieren müssen, ob das angebotene Glücksspiel in Deutschland erlaubt ist. Tun sie dies nicht, droht die strafrechtliche Verurteilung, worauf im schlimmsten Fall Freiheitsstrafe steht (…) [lds.de]

Diese „Blüte“ im juristischen Chaos rund um die Frage der Legalität von Online-Glücksspielen (hierzu ein Bericht der Rechtsanwälte Dr. Wulf Hambach und Claus Hambach, LL.M., vom 11. Januar 2015,  ist nun endlich Vergangenheit:

Die Verteidiger Peter Weitzdörfer der Kanzlei Weitzdörfer & Wittl sowie Claus Hambach, LL.M., der Kanzlei Hambach & Hambach Rechtsanwälte erreichten, dass das Urteil des AG München mit Entscheidung vom 28. Juli 2016 von dem LG München in der Berufungsinstanz aufgehoben und das Verfahren wegen fehlender Anwendbarkeit deutschen Strafrechts eingestellt wurde.

Von den zahlreichen Argumenten, welche gegen die Verurteilung durch das AG München sprachen (vgl. hierzu die Urteilsanmerkung von Claus Hambach, LL.M. und Dr. Bernd Berberich in ZfWG 2015, 150 ff.) griff somit bereits das Erste durch. Aber auch nach Maßgabe der aktuell chaotischen Regulierungssituation im Glücksspielbereich hätte das Urteil des AG München, insbesondere unter Berücksichtigung der Rechtsprechung des EuGH in der Rechtssache Ince (Urteil vom 4. Februar 2016 – C-336/14 mit Anmerkung von Prof. Hans Kudlich und Dr. Bernd Berberich in ZfWG 2016, 126 ff.) keinen Bestand haben dürfen.

Hambach & Hambach Rechtsanwälte PartG mbB

Haimhauser Str. 1
80802 München
Germany

Berliner Spielhallengesetz purer Aktionismus

Berlin möchte hart gegen Spielhallen durchgreifen

Nachdem man jahrelang die Spielsucht durch unsere politische Gesetzgebung in der Hauptstadt extrem gefördert hat, will man nun mit der Daumenschraube gegen das Glücksspiel im bunten Berlin angehen. Doch das Vorhaben wird außer jeder Menge Ärger vor Gerichten und Einnahmeverlusten beim deutschen Fiskus, zu keiner Entspannung führen.

Berlin Casino Katzbachstrasse 19.01.2015 10-51-03

Und so soll Berlin gesäubert werden:

(…) So wurde unter anderem die Besteuerung verschärft; auffällige Reklame, das Rauchen sowie die Abgabe kostenloser Speisen und Getränke wurden verboten. Statt zwölf sind nur noch acht Gewinnspielgeräte erlaubt. Zudem wurde die einstündige Schließzeit von fünf bis sechs Uhr morgens gekippt; stattdessen müssen die Zockertreffs zwischen drei Uhr nachts und elf Uhr morgens den Betrieb einstellen.

Der schärfste Eingriff ist jedoch der „Mindestabstand“ zwischen den einzelnen Spielhallen von 500 Metern. Wer einen neuen Glücksspielladen eröffnen will, muss sich einen Ort mindestens einen halben Kilometer entfernt zur Konkurrenz suchen – praktisch unmöglich in Berlin. Das gilt umso mehr für die dicht bebauten Kieze in den Ortsteilen Neukölln und Moabit, in denen viele Hartz-IV-Empfänger und Minimalverdiener leben (…) [welt.de]

Im Zeitalter von Online Casinos, Online Wetten und Online Poker steht es dem Spieler im Prinzip frei, wo, wie viel und wie lange er sein Geld verspielt. Im Internet gibt es keine 500 Meter Grenze oder Schließzeiten. Das Motto lautet 7/24 und an Feiertagen gibt es dann sogar meist Sonderaktionen statt Sperrungen.

Hinzu kommt, dass Spielhallenbetreiber gar nicht so einfach auf Aufgabe gedrängt werden können. Dafür gibt es nämlich die Härtefallregelung. Und wenn jemand seine Existenz durch staatliche Härte verliert, so muss der Staat mit Schadenersatzklagen rechnen. Das wird dann zwar wieder über den Steuerzahler eingetrieben, bringt aber im  Endeffekt null.

Fazit: Für die Öffentlichkeit können die Stadt-oberen zumindest für kurze Zeit ihr schlechtes Image verbessern.  Langfristig bleibt jedoch alles beim Alten. Die Spielsüchtigen werden weiter ihr Geld verlieren, und das Finanzamt wird nicht gerne auf seine Einnahmen verzichten wollen. Schließlich müssen wir ja Milliarden für die unkontrollierte Zuwanderung berappen.

Mybet: Wetten auf die EM 2016

Fußballwetten boomen immer zu den internationalen Turnieren

So auch diesen Sommer wieder, wenn Deutschland, Spanien und England um die Europameisterschaft 2016 in Frankreich spielen. Selbst der angeschlagene Anbieter Mybet kann von den Spielen profitieren. Zuletzt hatte die Aktie dramatisch an der Börse verloren, nun geht es zumindest für einen Monat wieder etwas bergauf.

Doch es könnte sogar noch besser nach der Euro 2016 werden, denn Mybet kann eventuell mit einem warmen Regen in Millionenhöhe rechnen. So wird der Bundesgerichtshof eine Entscheidung nun am 12. Juli 2016 dazu bekannt geben. In den Rechtsstreit geht es um eine Klage auf Schadensersatz wegen der nach Ansicht von mybet illegalen, kartellrechtswidrigen Boykottierung ihres Geschäfts durch den Deutschen Lotto- und Totoblock.

Ähnlich wie auf andere private Anbieter wird seit Jahren durch staatliche Behörden und Lottogesellschaften eine regelrechte Hetzjagd durch diese veranstaltet. Und das, obwohl der Europäische Gerichtshof bereits zum dritten Mal die Verfassungswidrigkeit des deutschen Glücksspielstaatsvertrag im Februar 2016 festgestellt hatte. Ausländische Betreiber bzw. Bewerber von Glücksspielen dürfen derzeit nicht bestraft bzw. verfolgt werden!

Sollte man nun Mybet Aktien kaufen? 

Es spricht viel für eine Auferstehung des ehemals so erfolgreichem Portal Mybet. Neue Software im Sommer, anstehende Lizenz hierzulande (mit Vorsicht zu genießen!!!) und eine eventuelle Schadenersatzleistung. Dagegen spricht das schlechte Management der letzten Jahre. Und gerade in diesem Bereich fehlt leider immer noch der große Umbruch. Bisher mussten dies immer nur die Anleger ausbaden.  Und erst wenn auch in diesem Bereich endlich Fakten geschaffen werden, sollte man über einen Einstieg nachdenken. Bisher ist und bleibt es alles Spekulativ!