Retroartikel: Zombies in Spielhallen

(…) So ging ich am nächsten Abend gleich nochmal zu so einem Automaten, diesmal in einer Spielhalle. Dort sah ich nun viele seltsame Menschen, die so vertieft in ihre Spiele waren, dass sie mich anscheinend garnicht bemerkt haben. Einer saß mit seiner Zigarette da, trank eine Spezi und schaute abwechseln auf zwei Automaten, in denen jeweils etwas mehr als 100 € waren. Der Nächste sah aus, als würde er schon Tage hier vermodern und drückte mit halbtotem Blick immer wieder auf den Start Knopf. Im nächsten Raum habe ich den Erstaunlichsten gesehen. Er lief mit einem Popcornbecher voller 2 € Münzen von Automat zu Automat und verteilte seine Münzen an die Maschinen, wie ein Pfarrer Hostien an seine Gläubigen verteilt. Ich setzte mich also hin und intergrierte mich in diesen Fremdkörper. Mittlerweile aber langweilt mich das rumsitzen an den Automaten; wahrscheinlich liegt es daran, dass meine Bilanz mit der Zeit immer negativer wurde. Vielleicht wurde ich auch durch einige Leute abgeschreckt, die behaupteten gerade ihr halbes Monatsgehalt verzockt zu haben. (…)

Ich würde sagen, der Artikel nicht mal überspitzt, denn meine Erfahrungen sind ählich. Was ich aber an dieser Stelle noch ergänzen möchte, die ersten drei Tage gehören grundsätzlich immer den Hartz 4-Leuten und Arbeitslosen. In 11 von 12 Monaten sind sie innerhalb dieser kurzen Spielzeit über 3 Tage meist Pleite, danach sitzen sie ungewaschen, stinkend und abgebrannt in den Spielhallen und einige von ihnen schnorren die Kundschaft an (Haste mal nen Zehner?). Schon schlimm, wie perverse Züge diese kranke Spielsucht doch so annehmen kann. Ansonsten gibt es aber auch noch tatsächlich Leute, die sich zumindest das Spielen leisten können, aber auch da habe ich schon viel Elend gesehen.

Nicht ganz richtig, ist die nachfolgende Aussage des oben genannten Blogs – zumindest in den Offline Spielotheken

(…) Jeder Automat ist durch eine Software so eingestellt, dass er 90% des eingeworfenen Geldes wieder ausspuckt. Wieviel und wann er das macht, entscheidet der Automat. Wenn man also theoretisch 2000€ einsetzt, sollte man irgendwann 1800€ wieder rausbekommen. (…)

In den Spielhallen können die Automaten in verschiedene Einstellungen der Auszahlung versetzt werden. Niemals aber werden sie 90% wieder auszahlen, da ja die Steuern und Abgaben an Vater Staat abgeführt werden müssen. Wo es zuletzt noch zirka 2/3 also rund 65% AQ waren, müssen nun noch weitere Gelder an den Fiskus abgeführt werden. (…) Frankfurt: Statt der 12 Prozent, die Spielhallenbetreiber bisher auf die Umsätze ihrer Geldspielgeräte zahlen müssen, wird nun einen Satz von 20 Prozent vorgeschlagen. „Einerseits die Ausbreitung der Spielhallen in den Stadtteilen eindämmen“ und andererseits „die Einnahmebasis des städtischen Haushaltes erweitern“, so Uwe Becker von der CDU (…) [spielotheka.de] In 2009 hatten wir eine tatsächliche Auszahlungsquote von 25% veröffentlicht, diese wird 2012 längst nicht mehr Offline erreicht. Im Vergleich dazu liegt die tatsächliche AQ bsw. bei Stargames bei 68%, wobei zirka 92 % angebenen werden. Diese Differenz entsteht, wenn Spieler ihren Gewinn wieder sofort verspielen, statt auszuzahlen. Und davon leben die Casinos…

» by admin on 08/27/2012

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