Ein Tag in der Spielhölle

Ich schau morgens in den Spiegel – meine Augen stumpf und rot als hätte ich einen Kater. Ohje, was habe ich gestern wieder angerichtet – doch fangen wir ganz von vorne an !?

Gegen 6.00 Uhr morgens bin ich zusammen mit den Kindern und meiner Frau aufgestanden, ich mache das immer so obwohl ich eigentlich wegen meiner momentanen Arbeitslosigkeit noch schlafen könnte. Etwa eine Stunde später sind alle verschwunden und ich sitze alleine mit einer Tasse Kaffee vor dem Morgenmagazin, was ich nun schon zum dritten Male in der Dauerschleife gelangweilt in mich hinein fresse. Ich trinke aus und schaue in meine Geldbörse, wo mich ein “Fünfziger” förmlich anlacht um mir zu sagen: “Hey los du Langweiler – mach was aus deinem Leben!” Die Idee gefällt mir sehr gut und was könnte dabei besser sein als einfach spielend eventuell sein Geld zu vermehren – Spiel, Spass und Spannung…

Gegen 8.00 Uhr treffe ich in der Spielhalle bei uns im Ort ein, ein kurzer Plausch an der Theke und schon geht es los. Bisher ist hier noch wenig an den Automaten los, nur ein Spieler der immer da ist sitzt krampfhaft vor dem Novoline. Seine graue und faltige Haut erinnert an einen Zombie aus den Filmen mit Resident Evil und wahrscheinlich ist er auch schon untot und sitzt als lebende Leiche vor dem Gerät. Irgendwie erschaudert mich der schlimme Anblick zwar ein wenig, doch ich sage mir innerlich – soweit bist du noch nicht, du kannst jederzeit aufhören. Und während ich so vertieft nachdenke, sind die ersten 20 Euro bereits nach gut 10 Minuten runtergespielt.

Ich sollte nun meine Strategie ändern, sonst bist du gleich wieder blank! Also spiele ich jetzt niedriger im Einsatz um was eigentlich zu erreichen – länger zu spielen und weniger zu gewinnen?! Aber auch mit geringem Einsatz scheint der Spielautomat wie zugeschnürt zu sein. Endlich kommen aber die Freispiele bei Book of Ra und ich bekomme Hoffnung heute doch noch zu gewinnen. Am Ende der Serie schaue ich jedoch verdutzt auf die mageren 2,30 Euro Gewinn auf meinem Zähler. Ich buche rüber und lasse mir die 11,20 Euro auszahlen um an einen benachbarten Merkur weiterzuspielen. Mr. Zombie in der Ecke hat sich gerade eine neue Zigarette angesteckt und wechselt einen Zwanziger am Tresen – wo der wohl immer das Geld her hat?

Aber auch am Merkur Magie 3 läuft es heute morgen nicht viel besser und schon gegen 9.00 Uhr sind meine 50,- Euro gnadenlos herunter gespielt. Enttäuscht verlasse ich die Spielhalle und fahre nach Hause. Ich bin nun stark gefrustet und schaue mir die Reality-Shows von RTL an und muss feststellen, dass es wohl allen Menschen beschissen gehen muss. Fast fällt mir bis zum Mittag die Decke auf den Kopf und ich schlürfe mühsam meine vorbereitete Kartoffelsuppe mit Bockwurst meiner lieben Frau. Eigentlich solltest du froh sein, so eine Familie zu haben!

Als ich mein Online-Konto checke, stelle ich fest, dass noch 40 Euro drauf sind und damit werde ich jetzt meinen Verlust von heute morgen zurück holen. Also ab an den Geldautomaten und wieder rein in die Spielothek. Jetzt ist hier deutlich mehr los als vorhin und auch Mr. Zombie scheint jetzt farblich im Gesicht etwas besser auszusehen. Schnell spricht es sich herum, dass er wohl gerade 350,- Euro bei Maximaleinsatz von 2 Euro pro Dreh rausgeholt hat – das spornt natürlich alle anderen Gäste unwahrscheinlich an. Plötzlich spielen alle hier auf Höchsteinsatz und versuchen es der wiedergeborenen Leiche nachzumachen. Ich natürlich auch – leider fehlt mir dazu das Kapital und meine 40 Euro können bei dieser Spieltaktik natürlich nicht lange mithalten. Wieder ist mein Geld alle, nix mit Gewinn.

Wie im Rausch fahre ich nun schnell nach Hause und durchsuche sämtliche eventuelle Geldquellen und finde so auch die Sparbüchse der Kinder, in welcher sich immerhin 86 Euro, geschenkt von Oma und Opa, befinden. Ohne Nachzudenken nehme ich das Geld heraus und fahre wieder in die Spielhalle – wenn ich gewonnen habe, tue ich gleich die Sparbüchse wieder auffüllen. Mr. Zombie und all die anderen Spieler sitzen immer noch wie gebannt vor den Slots und warten auf den großen Gewinn. Ich bin aber heute nicht auf der Siegerstraße und verspiele bis 16.00 Uhr auch noch das Geld meiner Kinder. Fast hätte ich verpasst zu Hause zu sein, als meine Frau wieder von der Arbeit nach Hause kommt. Von den 172 Euro, welche ich heute verspielt habe, soll sie aber nichts erfahren. Denn wenn ich morgen irgendwo Geld beschaffen kann, hole ich den Verlust auf jeden Fall wieder rein…

Euer Andi aus Berlin
» by admin on 12/11/2012