Retroartikel: Behördenbesuch in Spielhallen

22
APR 2013
Behörden zu Besuch in Spielhallen/Spielotheken

Diesen interessanten Bericht habe ich gerade in den Google News gefunden:

(…) Berlejung berichtete, dass die Sinner Spielhalle derzeit 24 Glücksspielgeräte hat, deren Benutzer mindestens 21 Jahre alt sein müssen, was drei Jahre über der gesetzliche Altersgrenze gilt. Die überwiegend fest angestellten Mitarbeiter werden bei der Caritas geschult, einerseits die Altersgrenze zu beachten, andererseits darauf zu achten, dass keine alkoholisierten Gäste hereinkommen. Alkoholausschank ist streng verboten.
Dem Schutz vor Spielsucht dient die Begrenzung der Einsätze auf 24 Euro; nach einem Verlust von 500 Euro wird das Gerät gesperrt. Der maximale Gewinn beträgt 1000 Euro, so dass auch die Verlockung begrenzt ist.
An jedem Gerät befindet sich ein Hinweis auf die Telefonnummer einer Hilfseinrichtung, die bei Spielsucht zu Rat gezogen werden kann. Darüber hinaus liegen auf den Toiletten entsprechende Merkzettel aus. Das Suchtpotenzial bei Spielautomaten sei mit 0,35 Prozent deutlich geringer als bei Spielbanken (2,56 Prozent) und bei Onlinespielen (6,6 Prozent), sagte Berlejung (…) [mittelhessen.de]
Diese nüchteren Zahlen erinnern mich irgendwie an die natürlich völlig unbefangene Studie der Automatenindustrie. Wie der Betreiber allerdings auf diese Zahlen kommt, dafür gibt es leider keine Antworten in dem Artikel. Aber ohne Grund wird er ja diese wichtigen Zettel auch nicht auf seinen Toiletten ausgelegt haben. Dort finden sie bestimmt Verwendung…

In unserer örtlichen Spielothek war übrigens vergangene Woche auch das Gewerbeamt zu Besuch. Auf die Frage, was die Behörde unternimmt, weil es hier keine Gewinne mehr gibt antworterte die gute Frau: “Der Betreiber gewinnt immer, die Spieler müssen zwingend verlieren. ” Stimmt im Prinzip schon, denn in den Hallen gibt es seit 2011 keine festgelegte Auszahlungsqoute mehr. So sind unter 20% Auszahlungsquote auch kein Verbrechen, auch nicht wenn zum Beispiel ein voller Automat bei einem “Softwareupdate” plötzlich auf Null gesetzt wird. Was die gute Frau leider an dieser Stelle nicht erwähnt hatte, die Steuern und Abgaben aus den Hallen fließen auch in ihren Job, den Stadthaushalt sowie dem Finanzamt.

Etwas konnte sie aber dann doch noch bemängeln, denn ab sofort darf nicht mehr in dieser Spielothek geraucht werden. Bisher war es dort kein Problem, wenn man den Automat gegenüber durch die grauen Rauchschwaden nicht mehr erkannte. Die armen Raucherspieler stehen nun vor der Halle und da wird es auch bald wieder Ärger mit den Anwohnern geben. Doch kein Problem, denn die gute Frau von der Gewerbeaufsicht kommt dann bestimmt auch wieder mal gerne vorbei…

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