Eine Bestandsaufnahme zum Einzug der Spielautomaten in den neuen Bundesländern

Es war das Jahr 1990, in der ehemaligen DDR kannte man weder, Drogen, Prostitution noch das Glücksspiel. Zumindestens offiziell war alles verboten, doch gab es überall versteckte Tendenzen, die zu diesem moralisch verwerflichen Lebensgewohnheiten hinwiesen, so die SED Führung. Klar gab es Glücksspiel, zwar keine Spielautomaten in Spielotheken, dafür  aber Pferderennen, Würfel, Poker, Skat und 17 und 4 waren in den zahlreichen Saufkneipen des Landes sehr beliebt. Doch mit der Wende und mit der friedlichen Revolution auf den Straßen von Leipzig bis Berlin zog nun auch diese Art der neuen Freiheit für die durchaus zunächst erstaunten Bürgerinnen und Bürger im östlichen Teil Deutschlands ein. Das war schon eine wilde Zeit, jeder versuchte irgendwie an den dummen Ossis schnell einen Haufen Kohle zu verdienen.

Die Entwicklung ging gerade beim Glücksspiel mit Spielautomaten recht schnell. Aus jeder alten Baubaracke oder dunklen Kascheme wurde umgehend eine Spielothek gemacht. Und die bisher unwissenden Menschen durften fortan auch an dieser gesellschaftlichen Freizeitgestaltung teilnehmen. Damals kostete ein Spiel noch 20 Pfennig ( 10 Cent) und man stürzte mit 50 DM in der Tasche los um die einarmigen Banditen damit zu füttern. Die Gewinne waren damals sehr durchschnittlich und bewegten sich auf dem maximalen Level von 100 DM. Oftmals gabs für 50 schwer erdrückte Freispiele an den Risikoleitern nicht mehr als 40 D-Mark ausgezahlt, manchmal gabs natürlich auch etwas mehr. Dafür konnte man mit diesem relativ geringem Einsatz im Vergleich zu heute, recht lange durchhalten und spielen. So traff man sich absofort nach der Arbeit nicht mehr in der Stammkneipe zum Bier trinken, sondern in einer dieser neu geschaffenen Spielcenter. Zu den beliebtesten Spielautomaten gehörten damals Geräte wie Merkur Multi, Merkur Disc II mit Ihren lachenden Sonnen oder auch die Kronenspiele. Auch die Flipper, Billard und Dartspiele erlebten ihre absolute Blütezeit. So konnte man im Prinzip nur darauf warten, daß es auch sehr schnell ging, das eine halbe Nation plötzlich über Nacht spielsüchtig wurde. Einige bekamen die Kurve, andere sitzen heute noch vor den Automaten und beschweren sich über den enormen heutigen  Preisfaktor beim geliebten Zocken. Doch daran wird sich auch in der Zukunft nicht viel nach unten korrigieren, den Kapitalismus heißt ständiges Wachstum, auch in der Spielebranche. Und das geht ja bekanntlich nur mit dem Geld der Spieler…